16. März 2025
Vom 03. bis zum 13. Januar 2025 sind Norbert und Ralf in Bitterwasser geflogen. Auf diesem weltberühmten Segelflugplatz in Namibia wurden in den letzten Jahren in der dortigen Flugsaison (November bis Januar) jeweils weltweit die größte Anzahl an Segelflügen über 1.000 Kilometer geflogen, neben vielen Landes- und auch Weltrekorden. Als Flugzeug haben beide einen der leistungsfähigsten Doppelsitzer der Welt gechartert, eine „EB 28 Edition“ mit einer Spannweite von über 28 Metern. Der weiteste Flug führte sie über die Kalahari Wüste über eine Strecke von 1.122 Kilometern in nur achteinhalb Stunden. Bei diesem Flug wurde eine Höhe von über 5.000 Metern n.n thermisch erflogen. Für Ralf, der vorher schon in Südafrika geflogen ist, war es das erste Mal in Namibia, Norbert ist dort schon seit vielen Jahren streckenflugmäßig erfolgreich unterwegs.
Auf meiner großen Geburtstagsfeier zu meinem 54 Geburtstag kam Norbert auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht spontan Lust hätte mit ihm die ersten zwei Januarwochen in Namibia zu fliegen. Da musst ich nicht überlegen und habe sofort zugesagt. Am 01. Januar flogen wir beide nach Windhoek und von dort aus ging es per Leihwagen nach Bitterwasser. Der Tag beginnt für die Piloten mit einem gemeinsamen Frühstück, anschließend erfolgt das Tagesbriefing. Vor dem Start werden alle Flugzeuge nebeneinander (!) auf der riesigen Salzpfanne, die als Flugplatz dient, aufgestellt. Jeder entscheidet selber, wann er starten möchte. Bei all unseren Flügen begann der Tag mit niedriger Blauthermik. Es ist schon wirklich anstrengend und auch nervenaufreibend, mit einem „28 Meter Tanker“ bei 1.100 Metern Blauthermik bei gut über 30 Grad Außentemperatur über völlig unlandbarer Landschaft auch noch in ansteigendes Gelände zu fliegen. Sobald die ersten Wolken erreicht wurden, zogen die Aufwinde erheblich besser und die Basishöhe sprang auf einen Schlag auf 2.500 bis 3.000 Meter. Wurde vorher noch eher zögerlich vorgeflogen, lagen die Vorfluggeschwindigkeiten nun immer oberhalb von 200 Km/h. Aus diesen Höhen bietet sich eine phantastische Sicht auf unterschiedliche Wüsten- und Steppenformationen, und das bei Sichtweiten von bis zu 200 Kilometern. Abends erreichte die Thermik Basishöhen von über 3.800 Metern über Grund was zu Endanflügen von teils über 150 Kilometern ausreichte, auch gegen den Wind. Gelandet wurde möglichst kurz vor Sonnenuntergang. Es ist schon eine andere Fliegerei, wenn man zwei Stunden vor Sonnenuntergang in knapp 300 Kilometern Entfernung vom Flugplatz erst wieder umdreht um sich auf den Rückflug zu machen. Abends gab es immer ein gemeinsames Abendessen mit allen Piloten bei welchem sich natürlich über die einzelnen Flüge und Erlebnisse ausgetauscht wurde. Auch wenn Norbert und ich nicht das beste Wetterfenster erwischt haben konnten wir trotzdem 8 Flüge machen und knapp 60 Stunden fliegen, davon 2 Flüge von mehr als 950 Kilometern, 2 Flüge über 1.000 Kilometer und einen Flug über 1.100 Kilometer. Es war anstrengend, aber es hat riesigen Spaß gemacht, so sehr, dass für die ersten zwei Dezemberwochen schon wieder ein Flugzeug in Bitterwasser gechartert wurde. Diesmal werde ich Jörg in die Afrika-Fliegerei einweisen und freue mich schon riesig darauf. Einen ganz herzlichen Dank an Norbert für die Möglichkeit, mit ihm in einem Traumflugzeug über Namibia fliegen und von seiner immensen Erfahrung profitieren zu können.
Ralf Gerigk